Der Ausweg Bibel und Bild zur Losung des 1. März 2019

Der Herr macht im Meer einen Weg und in starken Wassern eine Bahn. (Jesaja 43,16)

Im Grunde ist es ein unvorstellbares, geradezu surrealistisches Bild. Mitten im Meer ein Weg, mitten durch bedrohliche Wassermassen hindurch eine Bahn, auf der ein ganzes Volk trockenen Fußes ans andere Ufer gelangt. Hollywood hat in dem ersten Aufsehen erregenden Bibelfilm dieses Bild ganz wörtlich genommen. Es steht mir heute noch vor Augen: Unter Aufbietung aller Tricks, die dem Kino der 50er Jahre zur Verfügung standen, hat es den Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer als sensationelles, von dramatischer Filmmusik begleitetes Spektakel für ein staunendes Publikum inszeniert.

Immer wieder, über Jahrhunderte hat sich Israel an diese außergewöhnliche Befreiungsgeschichte erinnert. Der Exodus aus der Sklaverei und der Durchzug durchs Rote Meer haben das Gottesbild der Juden geprägt, bis auf den heutigen Tag.

Diese Worte des sogenannten 2. Jesaja wenden sich an die Juden im Exil in Babylon, an Menschen, die – über Tausende von Kilometern von der Heimat entfernt – sich eine Heimkehr nicht mehr vorstellen können; die sich vor allem keinen Gott mehr vorstellen können, der sie eines Tages wieder nach Hause bringen könnte. Es sind Menschen, denen alles genommen wurde, ihre politische und kulturelle, nicht zuletzt ihre religiöse Identität.

Der Tempel ist zerstört, Jerusalem liegt in Trümmern – für viele ist darum die Rückkehr kein verheißungsvolles Ziel mehr, auf das sie zuleben, das sie unbedingt eines Tages erreichen müssten.
Nicht wenige haben diese Hoffnung schon längst aufgegeben und begonnen, sich in der Fremde einzurichten, sich deren Kultur anzupassen, notgedrungen, auch der fremden Religion. Und dabei haben sie Jahwe, den Gott der Befreiung, allmählich vergessen.

In diese Situation und Gefühlslage hinein spricht dieses Wort der Propheten. Dieses Wort will das Volk, jeden Einzelnen zu einem neuen Gottvertrauen einladen, zu einem Gottvertrauen, das Gottes Befreiungstat nicht vergessen hat.

„Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“. Diese jüdische Weisheit möchte keineswegs eine „wunderbare“ Vergangenheit verklären. Diese Erinnerung des Propheten soll nicht nur ein dankbares, aber im Grunde nur nostalgisches Zurückschauen sein: „Yesterday…“. Erlösung kann diese Erinnerung nur bedeuten, wenn aus diesem Erinnern das Vertrauen und die Hoffnung wachsen kann, dass dieser Gott sich treu bleibt, dass er auch in Zukunft herausführt aus Angst und Resignation.

Wie Gott Menschen auch in aussichtsloser Lage einen Weg, einen Ausweg finden lässt – um sich das vorzustellen, braucht es freilich keine Tricks in Cinemascope à la Hollywood. Wir sind nicht in der Situation der Exilierten in Babylon. Aber auch wir suchen Wege, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Die Rede von der „neuen Unübersichtlichkeit“ ist inzwischen nicht mehr nur ein philosophisches Problem. Es gibt ein großes existentielles Bedürfnis nach Orientierung.

So möchte uns das Wort aus Jesaja 43 davon befreien, uns auf Vergangenes zu fixieren. Es macht uns Mut, uns heute für Wege zu öffnen, die uns herausführen aus dem, was uns niederdrückt und gefangen nimmt. Dieses Wort ist auf Zukunft ausgerichtet.

„Siehe, ich vollbringe Neues“ heißt es einige Verse später. „Erkennt ihr‘s denn nicht. Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde“ (Jes 43,19).

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