Uwe Habenicht: Leben mit leichtem Gepäck Eine minimalistische Spiritualität

Echter Verlag, 2018, 176 S., 14,90 EUR

Spiritualität als Schnäppchen, in der Hoffnung, den Mitgliederverlust der Kirchen stoppen zu können? Damit wäre Uwe Habenicht gründlich missverstanden, wenn er für eine „minimalistische Spiritualität“ wirbt und diese auch gut begründet. Ein Missverständnis bestünde schon darin, dem Zeitgenossen Faulheit in spirituellen Dingen zu unterstellen. Ganz im Gegenteil sei dieser nämlich anspruchsvoll, indem er auf seiner Autonomie bestehe. Und genau diesem Anspruch müsse das Angebot der Kirche(n) gewachsen sein, wolle es nicht ins Leere gehen. Denn: „Heutige Spiritualität verträgt sich nicht mit Belehrungen und dogmatischen Setzungen“ (S. 35).

Stetige Übung ist ein weiteres zentrales Element jedweder Spiritualität. Ihre Voraussetzung liege in der „vertikalen Resonanzfähigkeit“ (Hartmut Rosa) des Individuums. Spiritualität sucht ein Mensch, weil er auf etwas zurückgreifen möchte, das ihm innere Sicherheit verleiht und ihn vor Verzweiflung schützt. Getragen werde sie von dem „kultivierten Verlangen, sich vom Transzendenten durchdringen“ (S. 21) und verwandeln zu lassen. Sie wisse um die Wunden der Gegenwart, die Überstrapazierung der Ressourcen der Erde und des Individuums – und arbeite für eine „reduktive Moderne“ (Harald Welzer) an der Überwindung des Credos Immer-Mehr. Weswegen sie eine öffentliche und politische Dimension habe. Schließlich erkenne sie in den Weltreligionen „Übungssysteme“ (Peter Sloterdijk) mit je spezifischen Zugängen zur Transzendenz.

Im Rückgriff auf M. Luther, D. Bonhoeffer und R. Schutz zeigt Habenicht christliche Wurzeln minimalistischer Spiritualität auf und korreliert sie mit politischen, philosophischen und soziologischen Theorien.

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