Editorial: Spiritualität Ausgabe 3/2016

Liebe Leserin, lieber Leser,

wo bieten die christlichen Kirchen heute Räume für spirituelle Erfahrungen, die Menschen prägen und ihrem Leben Tiefe verleihen? Fehlanzeige, meint unser Autor Joachim Kunstmann: Das Christentum verkümmere „unter rituellen Routinen, gläubigen Richtigkeiten und theologischer Abstraktion“. Die Gegenposition vertritt in diesem Heft Peter Zimmerling: Zwar müsse jede Zeit ihre eigenen spirituellen Ausdrucksformen entwickeln. Dabei ließe sich aber durchaus auch heute an tragfähige Traditionen des Protestantismus anknüpfen.

Dass die Sehnsucht nach Spiritualität heute nicht geringer ist als in früheren Zeiten, zeigt ein Blick auf säkulare Suchbewegungen wie z.B. im Extremsport oder in ekstatischen Erfahrungen, die Rainer Lang nachzeichnet. Er warnt davor, die neuen spirituellen Tendenzen nur als pseudo-religiösen Konsumbetrieb abzutun. Vielmehr müssten die Kirchen diese „vagabundierende Spiritualität“ ernst nehmen und sich in den Dialog damit begeben. Die Evangelische Akademikerschaft hat dies u.a. Anfang dieses Jahres mit dem Hochschuldialog „Spirituelle Erfahrungen heute“ in Erlangen getan. Dort wurde nicht nur über spirituelle Erfahrungen in den Religionen, sondern z.B. auch in der Musik oder im Sport gesprochen und über das ehrfürchtige Staunen angesichts großartiger kosmologischer Bilder aus der Weltraumforschung diskutiert.

Ein Kernstück protestantischer Spiritualität ist zweifellos die Lutherbibel. Sie erscheint am 19. Oktober 2016 in einer neu revidierten Fassung mit einer Vielzahl von Änderungen gegenüber dem bisherigen Text von 1984. Wir informieren Sie vorab, was sich geändert hat und warum. Dr. Johannes Friedrich, bayerischer Altlandesbischof und Mitglied im Lenkungsausschuss des Projekts, gibt einen Einblick in den Revisionsprozess und stellt das Ergebnis vor.

Wir hoffen, Sie mit diesen Perspektiven auf unser Schwerpunktthema zum Nachdenken über Formen und Stellenwert von Spiritualität in Ihrem eigenen Umfeld anzuregen. Schreiben Sie uns, was Sie zu den Beobachtungen und Thesen unserer Autoren meinen. Wir freuen uns auf einen regen Austausch.

Es grüßt Sie im Namen der ganzen Redaktion

Bertram Salzmann

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