Jan Assmann: Exodus Die Revolution der Alten Welt

Verlag C.H. Beck 2015, 493 S., 29,95 EUR (E-Book: 24,99 EUR)

Der renommierte Ägyptologe Jan Assmann hatte vor Jahren mit seinem Buch Mose der Ägypter eine heftige Debatte um das Verständnis des biblischen Monotheismus ausgelöst. Seine These damals: Mit der biblischen Mose-Überlieferung ist eine fundamentale Unterscheidung in die Religionsgeschichte eingetreten: Die Unterscheidung von wahrer und falscher Religion. In den biblischen Texten der Moseüberlieferung sei dieser höchst folgenreiche Gegensatz, den es in dieser Form in der Geschichte der altorientalischen Religionen so nicht gegeben habe, am Gegensatz von Ägypten und Israel entfaltet. Diese Entwicklung habe das Motiv von Aggression und Gewalt gegen „Andersgläubige“ in die Religionsgeschichte des Alten Orient und in der Folge davon des Christentums und Islam gebracht. Monotheismus und Gewalt – das ist seitdem ein viel verhandeltes und höchst kontrovers diskutiertes Thema geworden.

Sensationell an dem neuen Exodus-Buch von Jan Assmann ist seine grundlegende Revision dieser Monotheismus -Theorie aus dem Mose-Buch. Auch in seinem neuen Werk geht es Assmann um ein grundlegendes Verständnis der Motive des alttestamentlichen Monotheismus. Inzwischen sei ihm aber klar geworden, so Assmann, dass seine frühere „Konzentration oder Reduktion“ auf die Wahrheitsfrage unzureichend sei. Es gehe vielmehr um das Motiv der „Treue“. Nicht zwischen wahr oder falsch sei grundsätzlich zu unterscheiden; das grundlegende und religiös bestimmende Motiv sei vielmehr das von Treue und Verrat. Der Bundesgedanke sei deshalb zentral, und das Motiv von Wahrheit und Treue spiele in allen entscheidenden erzählerischen Motiven des Exodus-Buches eine maßgebliche Rolle: Der Gang zum Sinai, Bund und Gesetz, Kultstiftung und Institution der Gottesnähe.

Damit aber sei als zentrales Motiv alttestamentlicher Religion das Motiv des Glaubens zu tragender biblischer und religionsgeschichtlicher Bedeutung aufgestiegen: „Mit der Konzeption dieses Bundes kommt der ›Glaube‹ in die Welt, der die eigentliche revolutionäre Neuerung des biblischen – alttestamentlichen, neutestamentlichen und islamischen – Monotheismus darstellt!“

Zu den Besonderheiten der Arbeiten von Jan Assmann gehören seine methodischen Grundsätze: Entscheidend für ihn sind nicht pure historische Fakten, die schwer oder gar nicht zu ermitteln sind. Entscheidend ist vielmehr die Sinn- und Erinnerungsgeschichte, die sich in der kulturellen und religiösen Tradition erhalten und diese geprägt hat. Assmann: „Mein Zugang ist nicht der des philologisch und theologisch arbeitenden Alttestamentlers, sondern des kulturwissenschaftlich arbeitenden Ägyptologen, und mein methodischer Ansatz ist der einer ›Sinngeschichte‹, die jeweils in doppelter Richtungen zu verfolgen ist: Sinn ›hat‹ Geschichte und Sinn ›macht‹ Geschichte“. Die Gestalt des Mose hat ihre Kraft und Bedeutung über Jahrhunderte bis heute bewahrt, historische Fakten hin oder her.

Ein spannend zu lesendes Buch auf hohem literarischem Niveau!

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