V&R, Göttingen 2023, 323 S., 130 EUR
Wie kann ein Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft gelingen – jenseits von Lückenbüßer-Gott und Intelligent Design? Der Physikingenieur und Theologe Gerhardt schlägt in seiner Dissertation ein Modell vor, das auf Verständigung über ein gemeinsames Dialogobjekt zielt: Der „Geschichte der kosmischen Entstehung des Lebensraums Erde als Teil des Sonnensystems“.
Als Ausgangspunkt dient die babylonische Dialogsituation: Ein geteiltes Weltbild, in dem das Firmament – die „Feste“ zwischen Lebenswelt und Chaos – eine tragende Rolle spielt, wird monotheistisch neu interpretiert. Daraus entwickelt er ein Modell, das als Planspiel auch für heutige Dialoge inspirierend werden kann.
Die Disziplinen bringen dazu ihre je eigenen „Sprachspiele“ ein und durchlaufen einen vierstufigen hermeneutischen Zirkel: Zunächst stellen beide Seiten ihre Perspektive transparent dar. Danach prüfen sie kritisch, wie tragfähig ihre Begründungen im Licht der Sicht des anderen sind. Anschließend versuchen sie, zentrale Motive der eigenen Sicht in die Sprache des Gegenübers zu übersetzen. Am Ende steht ein kreativer Schritt: Wo zeigt sich ein neuer Blick, eine überraschende Anschlussmöglichkeit, ein noch unbekannter Horizont?
Die große Stärke des Buchs: Es verbindet philosophische Diskurse, systematische und biblische Theologie zu einem überzeugenden Vorschlag für interdisziplinäre Verständigung. Noch bleibt der Beispiel-Dialog offen – doch dieses Buch bietet einen klugen und gehaltvollen Entwurf.