Th. Ruster, S. Horstmann, G. Taxacher: Alles, was atmet. Eine Theologie der Tiere Pustet 2018, 384 Seiten, geb. 26,95 EUR, e-Book 21,99 EUR

Theologie beschäftigt sich ja mit vielen Fragen. Theologen sprechen über Gott und die Welt, insbesondere aber über den Menschen in allen Facetten: Schöpfung und Auftrag, Ethik und Moral, Heil und Unheil. Im großen Themenkomplex der Theologie bleibt ein Thema meist unbeachtet: Die Tiere. Gibt es denn eine „Theologie der Tiere“? Ja, meinen die drei Autoren aus Dortmund, die dieses Kompendium vorgelegt haben. Sie forschen und lehren am Institut für Katholische Theologie an der Technischen Universität in Dortmund.

Die grobe Unterteilung des Buches: Tierwissen – Tierethik – Tiereschatologie. Hier zeigt sich schon, dass das klassische Terrain einer theologischen Beschäftigung mit den Tieren hier durchbrochen wird. Angesichts immer tieferer Beschäftigungen mit menschlicher Ernährung und immer erschreckender Berichte über die Haltung von Tieren nimmt es ja nicht Wunder, dass vermehrt auch die ethische Frage dahinter wahrgenommen und behandelt wird: Darf der Mensch Tiere halten und töten, um sie zu essen oder Kleidung daraus zu machen? Diese Frage wird auch im vorliegenden Band behandelt, wenn auch nur als ein Aspekt zur großen Theologie der Tiere.

So kommt Simone Horstmann zu einem ethisch doch bedenkenswerten Fazit: Während die Tötung von Lebewesen biblisch doch eigentlich verboten sei und nur in bestimmten, „tragischen“ Ausnahmen erlaubt, habe sich die moralische Bewertung heute umgedreht: „Die tragische Möglichkeit ist zu einer Normalität geronnen, die gern als natürlich deklariert wird, um mit ihr alles Verschlingen und Vernichten zu legitimieren. Kein tragischer Ausnahmefall rechtfertigt unseren Fleischkonsum“, so Horstmann weiter.

Bei diesen Beobachtungen bleibt es aber wie gesagt nicht. Die Autoren zeigen vielmehr, dass eine theologische Beschäftigung mit den Tieren auch jenseits von Essen oder Nicht-Essen geboten ist. Sie untersuchen die Rolle von Tieren in der „Legenda Aurea“, einer mittelalterlichen Sammlung von Heiligenlegenden, sprechen über die Tiere und unsere Möglichkeiten, sie einzuordnen oder versuchen sich an einer neuen Begründung des biblischen Begriffs der Unreinheit.

„Dieses Buch ist aus Liebe zu den Tieren entstanden und will die Liebe zu den Tieren wecken“, schreiben die Autoren als Einleitung in ihr Werk. Das ist ihnen gelungen. Sie zeigen ein Desiderat, wenn nicht vielleicht der theologischen Forschung, dann doch wenigstens der theologischen Wahrnehmung. Als Teil der Schöpfung haben die Tiere einen Ort im menschlichen Denken über Gott mehr als verdient. „Alles, was atmet“ ist eine breite Sammlung dieser Theologie.

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