Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitedemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören

Westendverlag 2012, 319 Seiten, 24,00 EUR, eBook 16,99 EUR

Die erste Assoziation, als ich auf das Buch stieß, war Joan Baez‘ „Donna Donna“, und ich hörte mich wieder mitsingen: „ ›Stop complaining, said the farmer‹ / Who told you a calf to be? / Why don’t you have wings to fly with / Like a swallow so proud and free”. Wer nur hat uns zum Schweigen gebracht, und warum verhalten wir uns nicht wie freie und mündige Menschen in dieser unserer „westlichen Wertegemeinschaft“?

Mausfelds Antwort, die er in den neun Aufsätzen seines Buches vielfach variiert, lautet: Vollgestopft mit „irrelevantem“ Wissen, sind wir tatsächlich schlecht informiert. Weil gerade auch unsere Qualitätsmedien im Verbund mit (gekauften) Think Tanks, Sozialwissenschaftlern und „den Intellektuellen“ nahtlos in die Ideologie des Neoliberalismus (der in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts seine Herrschaft begann) eingefügt seien. „Embedded“, instrumentalisiert zu sein, kommt mir in den Sinn, ist das nicht nur oft das Los von Journalist*innen, die über Kriegsschauplätze berichten. Eingebettet ist unsere ganze (Schein-)Demokratie in eine „totalitäre“ Kapitalismusform, die den Menschen als reinen (Eigen-)Nutzen-Maximierer ansieht und dem „Recht des Stärkeren“ huldigt –, dieser Totalverriss des „Systems“ hinterlässt manchen Zweifel!

Im Gegensatz dazu entfaltet der Autor das universalistische Grundprinzip, den radikalen Humanismus der Aufklärung – die Aufgabe, eine Welt freier und gleicher Menschen „ungeachtet ihrer faktischen Differenzen“ zu verwirklichen. Hierzu macht er – mit vielen guten Gründen – Mut!

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