V&R, 7. Aufl. Göttingen 2025, 478 S., 49 EUR
Bereits dass dieser Band in 7. Auflage erscheint, spricht für sich. Die gelehrte Einführung in die Welt der Psalmen handelt von typischen Grundformen und -erfahrungen alttestamentlicher Poesie, wie Dankbarkeit und Gottklage, auch Sinn des Lebens und Lebensglück.
Sie enthält nichts, was ein einfacher Psalmbeter nicht weiß oder wissen könnte. Nur wissenschaftlich belegt. Was der Mensch sei, fragt der Psalter in vielschichtigen Begriffen, die informativ konturiert werden. Etwa dass näfäsch, meist übersetzt mit Seele, vor allem Lebendigkeit meint. Hilfreich die Hinweise zur Besonderheit im Hebräischen (heute sehr plausibel), Sachverhalte mehr-perspektivisch von zwei und mehr Seiten aus zu beschreiben. Wodurch ihre komplementäre „Vollständigkeit“ erst deutlich wird! Es entsteht ein Raum sich ergänzender Bedeutungen, in dem das eigene Verstehen sich einstellt. Der kunstvolle Aufbau vollzieht dies in der Bewegung der Psalmen vom Leben zum Tod und vom Tod zum Leben nach und empfiehlt sie als täglich zu übende „Schule des Betens“. Nicht fehlt, ein oft gehörtes „Nörgeln“ an Psalmen durch die pünktliche Exegese zu relativieren.
Der Autor ist sichtlich begeisterter Mitsprecher der alten Texte. Und reiht sich so in die imposante zweieinhalb Jahrtausende währende Wirkungsgeschichte des Psalters selbst mit ein. Eingeflochten sind weitere Beispiele aus Kunst und Literatur, etwa die Notiz Rilkes: Die Psalmen seien „eines der wenigen Bücher, in denen man sich restlos unterbringt“.