Gesundheit Ausgabe 1/2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

aktueller als das Thema Gesundheit ist im Moment wohl keines. Gesundheit ist unser aller Thema! Vorbei die Zeiten, wo über die Leser*innen der Apotheken Umschau, der „Senioren-Bravo“, freundliche Witzchen gemacht wurden – vielen Zeitgenossen ist im letzten Jahr das Lachen vergangen. Gesundheit ist ein ernstes Thema geworden, ein todernstes. Alle Lebensbereiche scheinen davon betroffen, auch die Sprache. Etwa 600 neue Worte und Wendungen haben wir der Pandemie zu verdanken, ganz selbstverständlich gebrauchen wir Begriffe, von denen wir vor zwölf Monaten noch keine Ahnung hatten: Lockdown, Inzidenz, Social Distancing, lokalFotoer Hotspot, Systemrelevanz (war da nicht mal was mit Banken?), Alltagsmaske… Auch die Grußkultur hat sich verändert: „Bleib gesund!“, rufen sich jetzt auch die 30-Jährigen beim Abschied hinterher, und von 8-jährigen Schulmädchen hört man Oma-Sätze wie: „Die Gesundheit ist das Wichtigste!“

Ist sie das? Dagegen regt sich natürlich auch Widerstand, im Namen der Freiheit, der Selbstbestimmung, der Bürgerrechte. Aber was ist das eigentlich, die Gesundheit, dieses vielbeschworene „summum bonum“, das neue Höchste Gut, dessen Bewahrung ganze Marktwirtschaften in die Knie zwingt und unsere vermeintliche Normalität so gründlich wie nichts zuvor auf den Prüfstand stellt?

Es stellen sich viele Fragen: Welches Menschenbild steckt hinter den jeweiligen Konzeptionen von Gesundheit? Wieviel Krankheit ist gesund und wer definiert das? Kann man behindert, aber trotzdem gesund sein? Wie ist das mit der religiösen Dimension von Gesundheit und Krankheit? Wie krank ist das Gesundheitswesen? Ist Gesundheit nur für die Reichen dieser Welt erreichbar?

Natürlich können nicht alle Aspekte dieses unerschöpflichen Themas in diesem Heft zu Wort kommen. Aber vielleicht finden Sie darin den einen oder anderen Anstoß zum Weiterdenken und Weiterlesen – wobei auch eine gesunde Skepsis sicher nie verkehrt ist…

Im Namen des Redaktionsteams wünsche ich eine gesprächsförderliche Lektüre und (auf gut schwäbisch): Bx! Bleib xond!

Elke Münster

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