Fabio Wolkenstein: Die dunkle Seite der Christdemokratie Geschichte einer autoritären Versuchung

C.H.Beck, 2022, 222 S., 16,95 EUR, E-Book 12,99 EUR

In vielen Diskussionen, die in den letzten Jahren in den Unionsparteien geführt wurden, geht es auch um die Frage: Was ist der Kern der Christdemokratie? Für eine Antwort liegt natürlich ein Blick zurück nahe. Bei seinem Gang durch die Geschichte der Christdemokratie legt Fabio Wolkenstein nun ein besonderes Augenmerk auf ihre „dunkle Seite“ – und rät deshalb von „Wiederbelebungsversuchen“ einer vergangenen Herrlichkeit ab.

In seinem Buch vollzieht er die Geschichte der christdemokratischen Parteien Europas nach: von ihren Anfängen im politischen Katholizismus des 19. und 20. Jhdt.s über Phasen des strikten Antikommunismus und der Liberalisierung bis hin zu Sebastian Kurz oder Viktor Orbán. Dabei stellt Wolkenstein immer wieder fest, dass bei vielen Christdemokraten eine gewisse Affinität zum Autoritären besteht und Demokratie häufig nicht zu den primären Zielen der Christdemokratie gehört hat.

Für diese These kann er eine Reihe von Beispielen präsentieren. Sein Argument hätte aber sicher noch gewonnen, wenn er stärker auf den Begriff der „Christdemokratie“ eingegangen wäre. So bleibt etwa die Frage, wieso eigentlich eine politische Richtung, die doch nach Wolkenstein keine ungebrochene Begeisterung für die Demokratie hegt, genau diese im Namen tragen sollte. Trotzdem ist sein Buch – gerade mit seiner gesamteuropäischen Perspektive – ein spannender Überblick zu historischen Facetten der Christdemokratie und nicht zuletzt auch ein Beitrag zum Verständnis einer der wichtigsten politischen Kräfte unserer Republik.

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