Jostein Gaarder: Genau richtig Die kurze Geschichte einer langen Nacht

Carl Hanser Verlag 2019, 125 S., geb. 16,00 EUR, eBook 11,99 EUR

„Die Welt hat Wunden, sie blutet. Und jetzt bin ich an der Reihe.“ Der Tag „kam wie eine Ohrfeige“ (S. 9). In diesen Worten kulminiert die Ouvertüre zu der Ich-Erzählung eines Mannes, der eine Frau, eine Tochter, einen Schwiegersohn und eine Enkelin hat und mitten im Leben steht.

In der Nacht, in der er, mit sich allein in einem eigenen Ferienhaus, darüber nachsinnt, was er zu tun habe, kommt er zu einem Schluss –, den die Leser letztlich nicht erfahren. Wir bekommen Kenntnis von den allmählich heranreifenden Gründen, warum er seinen zunächst gefassten Plan in dieser Nacht nicht in die Tat umsetzt. Und genau diese Offenheit des reflektierenden Erzählens, das kein moralisches Richtig oder Falsch kennt, keinen Wegweiser und kein Verbotsschild aufstellt, macht den schmalen Band so lesenswert.

Jostein Gaarder, Philosoph und Theologe (einer großen Leserschaft bekannt durch Sofies Welt, eine erzählende Einführung in die Philosophie), lässt seinen Protagonisten angesichts des unendlichen Sternenhimmels und der Verletzbarkeit des Menschen die Frage nach dem Sinn des Ganzen stellen.  Wäre das Universum, so dessen Erkenntnis, nicht von der ersten Sekunde an „genau richtig“ gestimmt gewesen, gäbe es weder Nachhaltigkeit noch Fruchtbarkeit – einfach nichts. Und das Große wiederhole sich im Kleinen, im Geheimnis der Liebe zwischen zwei Menschen: Etwas mache „klick…, war genau richtig“ (S. 85).

Gaarder sensibilisiert uns für die Ressourcen, die in einem Menschen und seiner Umgebung, seinen Beziehungen bereitliegen und sich auf nicht vorhersehbare Weise wie von selbst aktivieren können. Man könnte sie Glaube, Liebe, Hoffnung nennen.

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