Jürgen Leiser, Dennis Dijkzeul (Hrsg.): Handbuch Humanitäre Hilfe. Grundlegende Einführung in das Politik- und Handlungsfeld Humanitäre Hilfe.

Springer Verlag 2013, 466 Seiten, 49,99 Euro.

Krisen, Kriege und Katastrophen bestimmen die täglichen Nachrichten seit vielen Monaten. Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Die humanitären Krisen haben auch gezeigt, wie wichtig die humanitäre Hilfe für die Menschen ist, die unter den Krisen zu leiden haben. Da sich in diesem Bereich inzwischen immer mehr Organisationen tummeln, war ein Buch überfällig, das dieses Feld beleuchtet. Als „grundlegende Einführung in das Politik- und Handlungsfeld Humanitäre Hilfe“ versteht sich der im Springer-Verlag erschienene Band „Handbuch Humanitäre Hilfe“.

Hier leuchten zahlreiche Experten Aspekte des humanitären Systems aus. Von den Ursachen der Katastrophen über die Prinzipien der Hilfe über die lokalen Partner bis zu Korruption und Herausforderungen. Zugegeben, die Herausgeber Jürgen Leiser und Dennis Dijkzeul, haben sich viel vorgenommen. Aber ihnen ist ein bislang einmaliger Überblick gelungen, der für jeden, der in diesem Bereich tätig ist, umfassende Basisinformationen bietet.

Der Blick zurück in die Geschichte zeigt, wie schnell das organisierte und professionelle Helfen in humanitären Krisen und Katastrophen gewachsen ist, seit die Hilfe in Notlagen mit der Gründung des Roten Kreuzes vor 150 Jahren einen institutionellen Rahmen erhalten hat. Humanitäre Organisationen arbeiten weltweit und sind global vernetzt.

Bei jedem Einsatz zeigt sich erneut, vor welchen großen Herausforderungen die humanitäre Hilfe steht. Lange Zeit war die Koordination vor Ort ein großes Problem. Inzwischen haben die Vereinten Nationen diese Rolle übernommen, die unverzichtbar bei großen Katastrophen ist. Hilfsorganisationen stehen auch unter einem hohen Erwartungs- und Zeitdruck: Sie sollen schnell, effektiv und reibungslos Hilfe zum Überleben leisten. Die Hilfe soll unparteiisch, neutral und nachhaltig sein und sich allein an den Bedürfnissen der betroffenen Menschen orientieren. Staatliche Geber, private Spender und auch die Hilfeempfänger verlangen Rechenschaft über den sinnvollen Einsatz der Hilfsgelder.

Seit Jahren nehmen Naturkatastrophen in Zahl und Umfang zu. Das Beispiel Syrien zeigt, dass sich Gewaltkonflikte zu chronischen Krisen entwickeln mit einer Kriegswirtschaft, die es kaum noch erlaubt, die Betroffenen adäquat zu unterstützen. Die Helfer sind selbst hilflos. Insgesamt ist zu konstatieren, dass die Notlagen komplexer werden, die Interessen der Geber oft auseinander gehen, die Politik Hilfe auch instrumentalisieren will und Hilfsangebote auch untereinander in Konkurrenz stehen. Helfer selbst werden wie jüngst in Syrien Opfer der Gewalt.

All das wird in dem Buch behandelt, das damit zu einem besseren Verständnis von humanitären Krisen und ihren Folgen beiträgt. Es zeigt nicht nur die Entwicklung des Systems, sondern auch, wie schwierig es ist, dem hohen ethischen Anspruch an unparteiische und von politischen Interessen unabhängige Hilfe gerecht zu werden.

Die Autorinnen und Autoren – Vertreter von Hilfsorganisationen und Wissenschaft – zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven auf, wie humanitäre Hilfe zwischen Anspruch und Wirklichkeit versucht, dem weltweit wachsenden Hilfebedarf gerecht zu werden.

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