Lars Jaeger: Mehr Zukunft wagen! Wie wir alle vom Fortschritt profitieren

Gütersloher Verlags Haus 2019, 287 S., geb. 22,00 EUR, eBook 16,99 EUR

Mit welcher Zukunft können wir rechnen? Wird es eine mit mehr Demokratie sein, möchte man bei diesem an Willy Brandts Diktum erinnernden Buchtitel fragen? Denn der angstvolle „Glaube an unser kollektives Scheitern“, den der Autor im ersten Drittel beschreibt, hat eine – durch mögliche Fehlentwicklungen von „Schlüsseltechnologien“ bewirkte – totalitäre Gesellschaft vor Augen. Da zeichnen sich ab: der gentechnisch optimierte Mensch, die Welt im Griff der künstlichen Intelligenz, Manipulation durch Koppelung von Gehirn und Maschine, die Kontrolle des Menschen durch Big Data, die „Unsterblichkeit“ durch den rigorosen Einsatz der Stammzellentechnologie.

Die pessimistische These des Buches befürchtet eine „Revolution des Menschseins“ (S. 69), durch die der Mensch nicht mehr er selbst sein wird. Dies sei die eigentliche (Human-)Krise, die wir zu bewältigen hätten. Die optimistische geht davon aus, dass in den genannten und weiteren Technologien (z.B. saubere Kernfusion, individuell adressierte medizinische Therapien durch nanotechnologische Verfahren, Internet der Dinge als Befreiung von lästiger Alltagsarbeit) die Chancen auf ein „irdisches Paradies“ (s. Schlusskapitel) lägen.

Können wir die Human-Krise bewältigen? Die gesellschaftliche Gesamtheit muss sich ihrer Ressourcen bedienen: der Fähigkeit zur intellektuellen Redlichkeit (die jedem Dogmatismus abschwört), moralischen Redlichkeit (die sich von Egomanie freimacht) und der Spiritualität (als Verabschiedung eines rein naturalistischen Menschenbildes). Man könnte dies staunende Ehrfrucht vor dem Weltganzen nennen, dessen reflektierender Teil, nicht dessen verfügender Herr wir sind.

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