Mehr Kommunikation wagen Kolumne

Kommunikation ist eine zentrale Aufgabe von Kirche und Theologie. Von der zentralen Bedeutung, die Kommunikation schon zu Beginn der Christenheit hatte, zeugen u.a. die zahlreichen Briefe, die Teil des Neuen Testamentes sind. Der Erfolg der Reformation ist rückblickend ohne den Buchdruck, der völlig neue Chancen in der Kommunikation bot, auch kaum vorstellbar.

Heute hat Wissenschaftskommunikation in der Theologie einen geringen Stellenwert. Von kirchlichen Ehrenamtlichen, Pfarrpersonen und Diakon*innen hört man oft Ressentiments gegenüber der aktuellen theologischen Forschung. So sagen manche zum Beispiel, dass die universitäre Theologie verkopft sei oder sich hauptsächlich mit Themen beschäftigt, die nur innerhalb eines „universitären Elfenbeinturms“ interessant sind. Doch das bedeutet nicht, dass kein Interesse an Theologie besteht.

Theologie ist nicht out

Unter Pfarrerstöchtern, der Bibelpodcast der ZEIT und die Initiative Worthaus, die universitäre christliche Theologie bekannt machen möchten, finden großen Anklang. Außerdem stellen sich viele Menschen komplexe theologische Fragen. Das Interesse an verständlich kommunizierter Theologie besteht also.

Das zeigt sich auch jetzt in der Corona-Pandemie, die die Bedeutung der Wissenschaftskommunikation weiter gesteigert hat. So steht nicht nur Christian Drosten in der Öffentlichkeit, auch Ethiker*innen, wie Peter Dabrock und Petra Bahr sind gefragte Gesprächspartner*innen zu Fragen in Zusammenhang mit Triage oder Impfstrategie.

Theologische Wissenschaftskommunikation

Theologische Wissenschaftskommunikation ermöglicht es nicht nur, dass sich mehr Menschen mit Theologie beschäftigen. Sie bereichert auch die Theologie, denn wer theologische Arbeiten versteht, kann dazu selbst Fragen stellen und eigene Gedanken miteinbringen und so Perspektiven aus einem anderen Berufs- und Lebenshintergrund mit einbringen. Das erleichtert auch interdisziplinäre Arbeit.

Natürlich ist es eine Herausforderung komplexe Forschung einfach zu vermitteln. Gerade in der Theologie ist es zumeist nicht leicht, sich ohne viele Fachbegriffe auszudrücken. Aber diese Herausforderung kann auch helfen, noch klarer zu formulieren und sich nicht hinter vermeintlich eindeutigen Fachwörtern zu verstecken.

Bereicherung für Kirche und Gemeinden

Theologische Wissenschaftskommunikation ist aber nicht nur für die Theologie ein Gewinn, auch die Kirche kann davon profitieren. Sie kann theologische Diskussionen in Kirchengemeinden vertiefen und dazu einladen gemeinsam über komplexe theologische Fragestellungen nachzudenken. Außerdem kann theologische Wissenschaftskommunikation dabei helfen, das immer noch weitverbreitete Vorurteil abzubauen, dass sich der christliche Glaube gegenüber neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen verschließen würde und rückständig sei.

Es lohnt sich also auch bei der Kommunikation von Theologie, dem Volk aufs Maul zu sehen und ganz im Sinne Luthers klar, genau und verständlich zu kommunizieren.

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