Vom Tod im Topf zum Brot für alle Nachhaltige Ernährung in der Bibel

Essen ist in der Bibel ein zentrales Thema. Immer wieder hören wir von kargen Mahlzeiten wie von üppigen Festmählern, vom täglichen Brot bis zum aufgetischten Braten. Schon damals spielten Nachhaltigkeitsaspekte wie Gesundheit, Ökologie und Fairer Handel eine wichtige Rolle.

Hunderte von Malen wird in der Bibel gegessen: von Adam und Eva, die auf den ersten Seiten von der verbotenen Frucht kosten, über Fest- und Opfermahle im Alten Testament und das Abendmahl Jesu im Neuen bis hin zum endzeitlichen „Mahl Gottes“ auf den letzten Seiten der Offenbarung. Manchmal reicht es gerade so zum Sattwerden, manchmal wird richtig geschlemmt. Wie biblische Vollverpflegung aussah, zeigt die Lieferliste für König David auf seiner Flucht vor dem revoltierenden Sohn Absalom: Weizen, Gerste, Mehl, geröstete Körner, Bohnen, Linsen, Honig, Butter, Schafe und Käse (2. Samuel 17,29). Solche Vollpension genossen freilich die Wenigsten. Für die Meisten stellte sich täglich neu die Frage: „Was werden wir essen?“ (Matthäus 6,31).

Fastfood mit fatalen Folgen

Wenn der Hunger groß war, konnte man bei der Auswahl von Lebensmitteln nicht wählerisch sein. So ging es auch dem Diener des Propheten Elisa im 9 Jh. v.Chr. Mit seinem Herrn war er während einer Hungersnot in Gilgal zu Gast, wo dieser einige Prophetenjünger lehrte. Als den Jüngern während der Unterweisung die Bäuche knurrten, gab Elisa seinem Diener den Auftrag, rasch einen Eintopf zu kochen (leerer Bauch studiert bekanntlich nicht gerne). Auf der Suche nach passenden Zutaten stieß man in der Umgebung auf ein Rankengewächs, das wie Malvenkraut aussah. Im Nu waren die fingerförmigen Früchte gepflückt und in den Kochtopf geschnippelt. Beim Servieren des Eintopfs gab es für den Koch allerdings ein böses Erwachen: „Als sie von dem Gemüse aßen, schrien sie und sprachen: O Mann Gottes, der Tod im Topf!“ (2. Könige 4,40). Was nach schmackhaften Malven ausgesehen hatte, war in Wahrheit eine bittere, Brechreiz hervorrufende Kürbisart gewesen.

Mehr als den Magen verdorben hat sich ein anderer Schnell-Esser der Bibel: Als der Erzvater Esau vom Herumstreifen in der Steppe erschöpft nach Hause kam, konnte es auch ihm mit dem Essen nicht fix genug gehen. Zum Glück hatte sein Bruder Jakob gerade ein leckeres Linsengericht auf dem Feuer stehen. „Lass mich schnell von dem Roten essen, dem Roten da; denn ich bin müde“, verlangte Esau und war ebenso rasch, wie er sich den Magen gefüllt hatte, bekanntlich sein Erstgeburtsrecht los (1. Mose 25,27-34).

Wer sich für Kochen und Essen keine Zeit nehmen will, so ist aus diesen Geschichten zu lernen, setzt über Kurz oder Lang seine Zukunft aufs Spiel. Demgegenüber empfiehlt die Bibel, bei Zubereitung und Verzehr mit Bedacht vorzugehen. Denn nachhaltige Ernährung sieht anders aus:

Fit durch maßvolles Essen

Wie genau, dazu gibt es umfangreiche Tipps beim profiliertesten Ernährungsberater der Bibel: Jesus Sirach. Im gleichnamigen biblischen Buch finden sich reihenweise Ratschläge zur gesunden Ernährung (als „deuterokanonische“ bzw. „apokryphe“ Schrift ist dieser Ratgeberband leider nicht in allen Bibelausgaben enthalten). „Der Bauch isst alles; doch die eine Speise ist besser als die andre“ (Sirach 36,20), betont Jesus Sirach und ermahnt: „Ein fröhlicher und heiterer Mensch achtet auf seine Speisen“ (Sirach 30,25). Besonders warnt er vor massiven gesundheitlichen Folgen der Maßlosigkeit beim Essen: „An übermäßigem Essen sind viele gestorben; wer aber mäßig isst, lebt länger“ (Sirach 37,29-31). Um der Gefahr der Völlerei zu begegnen, greift Jesus Sirach auch zu radikalen Ratschlägen: „Wenn du genötigt worden bist, zu viel zu essen, steh auf und erbrich dich, dann wirst du Ruhe haben“. Zur Motivation dient ihm bei alledem das Versprechen alltäglicher Fitness: „Wer Maß hält beim Essen, schläft gut; am Morgen steht er auf und fühlt sich wohl“ (Sirach 31,20-21).

„Ein fröhlicher und heiterer Mensch achtet auf seine Speisen“ (Sirach 30,25) (Foto: photosforyou, Pixabay.de, CC0)

Diese Liste von Ernährungstipps zeigt zweierlei: Zum einen war gesunde Ernährung auch zu biblischen Zeiten bereits ein Diskussionsthema. Zum anderen versuchte man es auch damals schon mit vielen guten Ratschlägen, die aber offensichtlich oft ins Leere liefen. Warum sonst müsste Jesus Sirach seine Gesundheitstipps über mehrere Kapitel mehrfach wiederholen und anschließend direkt ein längeres „Lob des Arztes“ folgen lassen (Sirach 38)?

Fett auf Kosten anderer

Die Folge von Völlerei sind bekanntlich Gewichtsprobleme. Mehr als jeder zweite Deutsche ist heute übergewichtig. Feist und dick zu sein, war in biblischen Zeiten hingegen allenfalls ein Oberschichtenproblem – das „normale“ Volk hatte dafür schlicht nicht genug zu essen bzw. körperlich zu viel zu tun. Bei Hiob ist der „fette Wanst“ ein Zeichen des reichen Frevlers, der die Hand gegen Gott erhebt und dem Allmächtigen trotzt (Hiob 15,27).

Noch direkter wird der um 750 v.Chr zum Propheten berufene Schafzüchter Amos. Wenig schmeichelhaft beschimpft er die wohlgenährten Frauen der Oberschicht Samarias als „fette Kühe“ (Amos 4,1). In elfenbeingeschmückten Häusern auf Lagern von Damast liegend, essen sie Lämmer und gemästete Kälber, während sie gleichzeitig den Armen hohe Abgaben abpressen (Amos 3,12; 5,11; 6,4). Das ist nicht nur Amos, sondern auch Gott selbst ein Dorn im Auge. Doch selbst als dieser durch Dürre, Getreidebrand und Raupenfraß die Ernte vernichtet und Gärten, Weinberge, Feigenbäume und Ölbäume um ihre Früchte bringt, kommt die Oberschicht Samarias nicht zur Raison. Stattdessen setzt sie die Ausbeutung der Armen mit Betrug beim Verkauf von Getreide fort (Amos 8,5). Auch zu diesem Thema hat Jahrhundert später Jesus Sirach noch etwas zu sagen: „Wie der Löwe in der Wüste die Wildesel frisst, so fressen die Reichen die Armen“ (Sir 13,19).

Fern von Fair Trade

Nicht weniger unfair geht es bei einem Handel zwischen dem König Ahab und dem Weinbergbesitzer Nabot im 9. Jahrhundert v.Chr. zu: „Ahab redete mit Nabot und sprach: Gib mir deinen Weinberg; ich will mir einen Kohlgarten daraus machen, weil er so nahe an meinem Hause liegt“ (1. Könige 21,2). Was der König im Sinn hat, ist heute bekannt als Umwidmung von Ackerfläche: Statt dem Anbau von Grundnahrungsmitteln (dazu zählte Wein in biblischer Zeit) soll sie der Erzeugung von Lebensmitteln für den Luxusbedarf dienen: Da für den Anbau von Gemüse viel Wasser und Pflege notwendig war, konnte sich das außer dem König kaum jemand leisten. Doch Nabot will seiner „Väter Erbe“ nicht verkaufen – das jüdische Gesetz verbietet die Veräußerung. Als die Königsgattin Isebel davon hört, lässt sie Nabot kurzerhand durch eine Intrige aus dem Weg räumen.

Wie diese Beispiele zeigen, war Ernährung nach den Regeln von Fair Trade auch zu biblischen Zeiten keineswegs die Regel. Beim Streit um Grund und Boden wie beim Handel mit Getreide oder anderen Nahrungsmitteln kam es immer wieder zu Betrug (vgl. z.B. die Kritik an gefälschten Maßgefäßen und Marktgewichten in Sprüche 20,23 oder Hosea 12,8). Zudem waren Nahrungsmittel auch damals schon ein Spekulationsobjekt, mit dessen Ankauf und Verkauf Großhändler ihren Schnitt machten und das sie zur Steigerung der Preise gelegentlich verknappten. Wie solche Vorratshaltung funktionierte, zeigt der erste „Getreidespekulant“ der Bibel Joseph in seiner Funktion als Wesir des Pharaos in Ägypten: Er lässt in sieben ertragreichen Jahren ein Fünftel der Ernte einziehen, um diesen Teil in den folgenden sieben mageren Jahren als Notration verkaufen zu können (1. Mose 41).

Artgerechte Massentierhaltung

Um die im Jahr 2050 lebenden Erdenbürger – geschätzt werden es 10 Milliarden sein – nachhaltig zu ernähren, sind in letzter Zeit immer häufiger Insekten als Nahrungsquelle im Gespräch: Eine groß angelegte Insektenzucht könnte mit für eine Verdoppelung der (dann benötigten) Protein-Menge sorgen. Der Vorteil: „Insekten mögen Massentierhaltung“, sagen Experten. In der Bibel finden sich bereits Erfahrungen mit diesem Essenslieferant. So wird am Anfang des Markus-Evangeliums berichtet, dass der Täufer Johannes sich in der Wüste von Heuschrecken und wildem Honig ernährte (Markus 1,6). Dafür wurden Kopf und Beine entfernt und die Tiere in der Sonne geröstet. Ob dies auch in Massenproduktion mit positiver Ökobilanz möglich ist, bleibt abzuwarten. „Insektenburger“ oder Nudeln aus Insektenmehl sind jedenfalls auch schon in deutschen Supermärkten erhältlich.

Geregelter Fleischkonsum und Fischverzehr

Im Gegensatz zu unseren Tagen musste man den Menschen in biblischer Zeit übermäßigen Fleischgenuss nicht ausreden. Allenfalls zu Festtagen wurde ein Tier geschlachtet, wie beispielsweise das gemästete Kalb in Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,23) – meist dürfte es allerdings eher eine Ziege oder ein Lamm gewesen sein. Ansonsten war Fleisch ein Luxusgut der Oberschicht, das diese freilich in vielfacher Variation genoss: Der tägliche Unterhalt des Hofstaats von König Salomo belief sich auf „zehn Mastrinder, zwanzig Weiderinder, hundert Schafe, nicht gerechnet die Hirsche, Gazellen, Rehe und das gemästete Geflügel“ (1. Könige 5,3). Schweine waren vom Verzehr nach den Speisevorschriften ausgenommen, ebenso Kamel, Hase und Klippdachs sowie viele Vögel vom Habicht über den Strauß bis zur Fledermaus und alles Krabbelgetier – für die schmackhafte Heuschrecke gab es glücklicherweise eine Ausnahmegenehmigung  (3. Mose 11; 5. Mose 14,1-21). Die strengen und nicht immer ganz plausibel begründeten Speisevorschriften waren eine unmittelbare Umsetzung des Heiligungsgebots (vgl. 3. Mose 11,44) und sorgten zugleich für eine klare Abgrenzung Israels von seiner Umwelt.

Am Meer und in der Gegend um den See Genezareth bestimmte Fisch den Speiseplan, den man trocknete, um ihn haltbar zu machen. Essen durfte man alles, was „Flossen und Schuppen“ (3. Mose 11,9-10) hatte – eine Regelung, die  nach dem Urteil des Alttestamentlers Thomas Staubli offensichtlich auf der „Sicht von Binnenländlern auf dem Bergrücken“ beruht, die „kaum Zugang zu fischreichen Gewässern hatten“ (Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel, hg.v. F. Crüsemann u.a., Gütersloh 2009, S. 542). Im Gegensatz zu heute war die Fischerei an die ökologischen Verhältnisse angepasst. Nur an einer Stelle des Neuen Testaments ist ein Fall von „Überfischung“ belegt (Johannes 21,6).

Täglich Obst und frisches Brot

Auch eine Obst-Diät musste man in biblischer Zeit niemandem verschreiben. Dank der guten Versorgung mit Früchten wurde immer viel Obst gegessen (natürlich aus der Region und saisonal angepasst). Die Früchte – vor allem Oliven, Feigen, Datteln und Trauben – wurden auch getrocknet und zu einer Art „Kuchen“ gebacken. Zusammen mit getrockneten Körnern war das ideal als Proviant, eine Vorform unseres Müsli-Früchte-Riegels. Auch zum Süßen verwendete man die Früchte, wie sonst vor allem Honig. Die massenhaften Gesundheitsprobleme, die heute aus dem hohen Zuckergehalt vieler Lebensmitteln resultieren, waren damals kein Thema.

Wichtigstes Grundnahrungsmittel war aber für alle das Brot. Es wurde täglich frisch in kleinen Öfen gebacken – die Rede vom „täglichen Brot“ im Vaterunser (Matthäus 6,11) ist also wörtlich zu nehmen. Auch hier gab es allerdings soziale Unterschiede: Wer es sich leisten konnte, aß Weizenbrot, die Mehrheit hingegen Gerstenbrot.

Ökologischer Landbau

Von den Verfahren und Mühen des Getreideanbaus ist an vielen Stellen der Bibel zu lesen; nicht zuletzt hören wir davon immer wieder in den Gleichnissen Jesu (z.B. Markus 4,3-9). Im Unterschied zur industriellen Landwirtschaft unserer Tage erforderte dies viel Handarbeit, teilweise mithilfe von Geräten wie Hacke und Pflug, manchmal unterstützt von Tieren. Unkraut wurde natürlich nicht mithilfe von Vernichtungsmittel bekämpft, sondern musste mühsam von Hand ausgezogen werden.

Diese Form der Bewirtschaftung war ökologisch angepasst und sorgte dafür, dass auch ohne künstliche Dünger die Fruchtbarkeit des Landes erhalten blieb. Zusätzlich war nach dem Gesetz alle sieben Jahre im Sabbatjahr eine Brache vorgeschrieben, damit sich das Land erholen konnte. Es durfte dann nichts angebaut und nur gegessen werden, was wild auf den Feldern wuchs (vgl. 2. Mose 23,10-11; 3. Mose 25,1-7). Immer wieder wird allerdings berichtet, dass das Sabbatjahr nicht konsequent eingehalten wurde (vgl. 3. Mose 26,34; 2. Chronik 36,21).

Ungerechter Lohn und vorenthaltene Rechte

Weniger nachhaltig war der biblische Landbau im Hinblick auf Arbeiter- und Menschenrechte. Neben den Ackerbauern, die ihr eigenes Land bestellten und damit ein Auskommen und persönliche Freiheiten hatten, gab es Großgrundbesitzer, auf deren Felder Tagelöhner und Sklaven zu ausbeuterischen Bedingungen arbeiteten. Auch zu diesem Thema hat Jesus Sirach mahnende Worte zu sagen: „Wer seinem Nächsten die Nahrung nimmt, der tötet ihn. Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht gibt, der ist ein Bluthund“ (Sirach 34,22).

Hebräische Sklaven genossen gegenüber heidnischen Sklaven beträchtliche Vorzüge: Sie durften nicht misshandelt, verletzt oder getötet werden, ihr Arbeitstag durfte nicht länger als zehn Stunden dauern und sie hatten Anspruch auf einen Ruhetag in der Woche (2. Mose 20,10: 23,12). Außerdem mussten sie nach sechs Jahren, im „Sabbatjahr“, freigelassen werden (2. Mose 21,2), was allerdings ebenfalls nicht immer befolgt wurde (vgl. Jeremia 34,8-22). Heidnische Sklaven standen nicht unter dem Schutz dieser Regelungen und mussten vor ihrer vorgeschriebenen Freilassung im „Erlassjahr“ bis zu fünfzig Jahre für ihren Herrn arbeiten (3. Mose 24,44-46).

Nie mehr hungern

Dass mit Speiseresten in biblischer Zeit sorgsam und nachhaltig umgegangen wurde, zeigen schließlich beispielhaft die im Neuen Testament überlieferten Speisungswunder: Nach dem Essen wurden die Reste in Körben eingesammelt (Markus 6,43; 8,8) – nicht nur, weil sie „zu gut für die Tonne“ waren, sondern vor allem weil alle Nahrungsmittel nach biblischem Verständnis ein Geschenk Gottes sind. In der Brot- und Fischvermehrung Jesu wurde diese Gabe Gottes „aus dem Nichts“ noch einmal zeichenhaft deutlich. Die wahre Nachhaltigkeit beim biblischen Essen offenbart sich aber erst in den Worten Jesu, die im Anschluss an das Speisungswunder nur das Johannes-Evangelium überliefert: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern“ (Johannes 6,39). Mehr Nachhaltigkeit geht nicht!

Zum Weiterlesen

Essen und Trinken in der Bibel. Hg.v. Michaela Geiger u.a., Gütersloh 2009; www.wibilex.de – das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet: Artikel „Mahl/Mahlzeit (AT)“ von Kay Weißflog und „Speise/Speisezubereitung“ von Christine Vögeli-Pakkala.

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