Diversität ermöglichen Kolumne

Liebe Kirche, wir haben ein Problem! Während Diversität in gesellschaftlichen Diskursen zunehmend zum Thema wird, hinken wir diesen Diskursen in kirchlichen Zusammenhängen hinterher. Wie jedoch können unsere kirchlichen Räume diversitätssensibler werden? Kirchliche Veranstaltungen richten sich nämlich in der Regel an bestimmte Zielgruppen. Eine Gruppe ehrenamtlicher Teamer:innen in der Konfi-Arbeit besteht vermutlich vorrangig aus weißen, heterosexuellen, bildungsbürgerlichen Jugendlichen ohne Beeinträchtigungen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie sich auf ein christliches Gottesverständnis beziehen – in Differenz zu anderen Jugendgruppen, von denen sie sich abgrenzen.

Bei der Frage nach Diversität geht es vor allem darum, Menschen Teilhabe zu ermöglichen. Menschen, die aufgrund ihres Alters, ihres Milieus, ihrer kulturell-ethnischen Zugehörigkeit, ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer kognitiven, körperlichen oder psychischen Befähigung benachteiligt werden. Nicht selten kommt es vor, dass bestimmte Personen zudem von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind. Ursprünglich ist die Diversitäts-Debatte im Zuge der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre in den USA entstanden, sie thematisierte zunächst die Chancengleichheit für People of Color. Seit 2006 ist die Diversität auch in Deutschland, im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, verankert. Neben feministischen sind dabei auch intersektionale und postkoloniale Ansätze eingeflossen.

Nicht nur aus den naheliegenden Gründen der Gleichberechtigung aller Menschen ist Diversität auch für kirchliche Einrichtungen ein wichtiges Thema. Denn Diversität entspricht unserem kirchlichen Selbstverständnis (Gal 3,28) und ermöglicht in ihrer Konsequenz eine Vielfalt der Gaben (1. Kor 12). Ja, Diversität fordert heraus, da sie bestehende Machtverhältnisse hinterfragt, die Sensibilität für gesellschaftspolitische Fragestellungen erhöht und zur Reflexion der eigenen Privilegien führt. Doch darin liegt auch ihr Potential, da uneingeschränkt allen Menschen die Teilhabe ermöglicht wird.

Wie jedoch können wir dies umsetzen? Zunächst beginnt dies mit der schonungslosen Reflexion der eigenen Situation. Wer wird angesprochen? Wer wird ausgeschlossen? Welche Privilegien hat wer? Wie wird Macht konstituiert? Im Anschluss kann überlegt werden, wie Zugangsbarrieren abgebaut werden können. Welche Rahmenbedingungen sind zu erfüllen, damit z.B. das KU-Team auch für Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern interessant wird? Müssen die Zeiten verändert werden, ist auf sprachliche Formulierungen zu achten? Wie können Jugendliche mit Beeinträchtigungen teilnehmen? Sind die Räume wirklich für alle zugänglich? Wie ist es mit der sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität? Wird die Offenheit gegenüber LGBTIAQ* reflektiert, kommuniziert und signalisiert?

Oft liegt es bisher an den Betroffenen selbst, sich ihre Rechte zu erstreiten und Teilhabe einzufordern. Besteht der Wunsch oder die Möglichkeit jedoch nicht, bleiben sie kirchlichen Räumen fern. Daher hilft langfristig nur die Förderung von Diversität, um die Gleichberechtigung aller Menschen zu ermöglichen.

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