Klaus Beckmann: Dienstweg – kein Durchgang? Als Pfarrer und Staatsbürger in der Bundeswehr

Miles-Verlag Berlin, 2022, 264 S., 19,80 EUR

Die berufliche Laufbahn des Autors – Gemeindepfarrer, Universitätsdozent, Militärseelsorger mit Einsätzen in Afghanistan und Mali, persönlicher Referent des Militärbischofs und im grundsätzlich-konzeptionellen Diskurs bewandert, nun Religionslehrer – zeugt von einer breiten Vertrautheit mit Theologie, Kirche und Bildung und den Gefahren und Konflikten soldatischen Lebens und Kämpfens.

Diese Kompetenz findet im Buch ihren Niederschlag. Zum Beispiel wenn Beckmann die Militärseelsorge im Rahmen einer „öffentlichen“, also bewusst im politischen Kontext der Demokratie verantworteten Theologie erörtert und sie gegen die bis 1945 in Deutschland praktizierte (das Soldatentum heroisierende) „Wehrtheologie“ abgrenzt; wenn er den den Militärseelsorger:innen aufgetragenen Lebenskundlichen Unterricht als Dienst an der Gewissensbildung der Soldat:innen entfaltet; wenn er über den guten Soldaten-Seelsorger schreibt, der die „Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen in Uniform“ zu festigen und gegen die in einer Armee immer gegenwärtigen autoritären Tendenzen zu immunisieren versucht; wenn er das Bild vom Soldaten als Staatsbürger in Uniform zeichnet, der sich als mündig und eigenverantwortlich versteht und die Erfüllung seines Auftrages nicht im Befolgen von Befehlen wahrnimmt.

Beim Lesen des Buches wurde mir schlagartig bewusst, dass während meines gesamten Theologiestudiums (ab 1968) Militärseelsorge nie als Angebot auf dem Curriculum stand! Nicht zu Unrecht kreidet Beckmann der evangelischen Kirche an, dass sie mit diesem eigenen Dienst bis heute fremdelt, weil im Mainstream ihrer friedensethischen Positionen und des lange in Deutschland vorherrschenden „Nationalpazifismus“ der militärische Dienst moralisch abgewertet worden sei. Doch „Soldaten vereiteln…durch ihr Dasein Wunschbilder einer heilen Welt“ (S. 208).

Beckmanns Buch ist eine intelligente Streitschrift und gewinnt angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine eine zusätzliche enorme Aktualität.

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