Onora O’Neill: Gerechtigkeit über Grenzen Pflichten in der globalisierten Welt

Claudius Verlag 2019, 367 S., 38,00 EUR, e-Book 25,99 EUR

Nein, als Lektüre zwischen zu Bett gehen und Einschlafen eignet sich O’Neills Aufsatzband – ein fortschreitendes, stringentes Nachdenken über die Herstellung gerechter Verhältnisse in einer globalisierten Welt – eher nicht. Aber mit einiger Konzentration kann man ihrem Nachdenken über Gerechtigkeitsprinzipien gut folgen, auch wenn man weniger Vorwissen in Fragen der politischen, der Rechts- und Moralphilosophie hat, zumal sie ihre These in präzierenden Wiederholungen darlegt: Ohne die Definition und Zuordnung von Pflichten bleiben Menschenrechte bestenfalls Absichtserklärungen, schlimmstenfalls leere Versprechungen.

Es ist ein Defizit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEM) und den Folgevereinbarungen von 1966 (CESCR), dass die Träger der damit korrespondierenden Pflichten nicht spezifiziert werden. Der auf Rechte sich stützenden Gerechtigkeitskonzeption stellt die britische Philosophin und Politikerin (O‘Neill gehört dem Oberhaus des Parlamentes an) ihren auf Pflichten basierenden Ansatz entgegen; denn „jede Umsetzung wird scheitern, solange nicht geklärt ist, wer was für wen tun soll“ (S. 213).

Der in der AEM (1948) vorgenommene Verweis auf „Staaten“ als verpflichtete Akteure der Gerechtigkeit sei zu pauschal und der heutigen Welt (mit ihrer Vielzahl schwacher, zerfallender oder gar Unrechtsstaaten) nicht mehr angemessen. Viele Gerechtigkeitskonzeptionen sind zwar universal (kosmopolitisch) gedacht, scheitern aber vor Ort an oft mangelnden staatlichen Fähigkeiten – oder am Willen. O‘Neill schlussfolgert daraus, dass sich z.B. auch wirkmächtige transnationale Konzerne, einflussreiche Nichtregierungsorganisationen oder religiöse Vereinigungen als Akteure globaler Gerechtigkeit in die Pflicht nehmen lassen müssen.

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