Editorial: Spiritualität Ausgabe 3/2016

Wo bieten die christlichen Kirchen heute Räume für spirituelle Erfahrungen, die Menschen prägen und ihrem Leben Tiefe verleihen? Fehlanzeige, meint unser Autor Joachim Kunstmann: Das Christentum verkümmere „unter rituellen Routinen, gläubigen Richtigkeiten und theologischer Abstraktion“. Die Gegenposition vertritt in diesem Heft Peter Zimmerling: Zwar müsse jede Zeit ihre eigenen spirituellen Ausdrucksformen entwickeln. Dabei ließe sich aber durchaus auch heute an tragfähige Traditionen des Protestantismus anknüpfen.

Stichwort: Gebet

Das Gebet gehört zur christlichen Spiritualität elementar dazu. Dennoch tun sich viele Christen schwer, eine für sie passende Praxis des Gebets zu entwickeln. Hilft denn Beten überhaupt? Und wie finde ich die richtigen Worte? Wir haben zwei Autoren um Schlaglichter auf das Thema gebeten.

„Das walte Gott“ Luthers Morgen- und Abendsegen

Luther hatte seinen Morgen- und Abendsegen aus der Erfahrung heraus formuliert, dass er bei seinen Besuchen in Gemeinden erlebte, wie wenig die Menschen den christlichen Glauben mit ihrem Alltagsleben verbinden. Bis heute werden Luthers Gebetstexte auf der EKD Homepage als exemplarische Gebete empfohlen. Aber tun wir das noch – den Morgensegen beten?

Stichwort: Volkskirche Ein auslaufendes Modell?

Der Begriff „Volkskirche“ beschreibt die Normalität der Kirchenmitgliedschaft durch familiäre Tradition. Die Legitimität der Bezeichnung „Volkskirche“ muss aber nicht unbedingt daran gemessen werden, ob die sie beanspruchenden Konfessionen zusammen einen sozusagen übergroßen Bevölkerungsteil repräsentieren.