Editorial: Zivilcourage Ausgabe 4/2016

wenn öffentliche Auftritte nur noch unter Polizeischutz möglich sind, dann gehört schon enorm viel Mut dazu, seine Sache weiter zu vertreten. Das ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo Alltag seit dem verheerenden Anschlag fanatischer Islamisten auf die Redaktion im letzten Jahr. Die Welle der Solidarität mit den Opfern war riesig. Zum Teil wurde aber auch die Frage gestellt, wie belastbar diese Solidarität wirklich wäre, wenn es Ernst würde.

Was fällt Ihnen zum Begriff “Zivilcourage” ein? Wir haben uns umgehört, was Menschen mit dem Begriff verbinden

Zivilcourage heißt, meine Meinung sagen und in Kauf nehmen, dass ich damit anecke oder allein dastehe. Für mich ist Zivilcourage eng verbunden mit wachsamem Interesse, das bedeutet ja dazwischen sein und nicht als stummer Zeuge den Dingen einfach „beiwohnen“, mit denen ich nicht einverstanden bin. Zuletzt habe ich mich in einem Altenpflegeheim eingemischt, als ich das Gefühl hatte, eine alte Dame, die ich besucht habe, werde nicht genug betreut.

Stichwort: Ziviler Ungehorsam

35 Menschen blockieren am 16. September 2016 die Zugänge zum Fliegerhorst Büchel in Rheinland Pfalz, neun dringen in das Gelände ein und besetzen die Startbahn. Die Aktion richtet sich gegen die zwanzig US-Atombomben, die in Büchel stationiert sind, um im Kriegsfall im Rahmen der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ der NATO durch Bundeswehr-Piloten ins Zielgebiet geflogen zu werden.