Zukunft der Kirche Ausgabe 3/2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer am Sonntagmorgen zum Gottesdienst geht, muss heutzutage vielerorts zwischen leeren Kirchenbänken Platz nehmen. Jüngst haben wieder die Meldungen über den Anstieg der Kirchenaustritte 2017 auf 600.000 deutlich gemacht, dass der Mitgliederschwund bei den beiden großen Kirchen in Deutschland ungebrochen weiter geht. Auch die Religionslosigkeit wird hierzulande immer stärker. Immerhin geben 36 Prozent der Deutschen an, keiner Religion anzugehören.

Die Präses der EKD-Synode Irmgard Schwaetzer sieht gleichwohl im Interesse am Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr einen Beleg dafür, dass die „immer wiederholte Behauptung vom nicht mehr aufzuhaltenden Bedeutungsverlust der Kirchen oder auch der christlichen Religion“ so nicht aufrecht zu erhalten ist. Sie räumt jedoch ein, dass die „Kirchen am Lebensgefühl moderner Menschen vielfach vorbeigehen“, und plädiert deshalb für Netzwerke mit säkularen Partnern.

Ähnlich argumentiert Christina Aus der Au, die feststellt, dass die Distanzierten auch unter den Kirchenmitgliedern in der Mehrheit sind. Deshalb ruft die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2017 dazu auf, auf die Menschen zuzugehen und die bisherige „Komm-Struktur“ durch eine „Geh-Struktur“ zu ersetzen. Als Beispiele nennt sie neue Formen wie die City- und die Streetchurch.

Der katholische Bischof Franz-Josef Overbeck aus Essen sieht die beiden großen Kirchen nach dem Reformationsjubiläum an „der Schwelle zu einer neuen Gemeinschaft“. Er räumt aber ein, dass es eine Eucharistiegemeinschaft nicht so schnell geben werde. Bis dahin solle jedoch nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame betont werden.

Unverblümt in seiner Kritik an der offiziellen Kirche ist Friedrich Wilhelm Graf. Der emeritierte Theologieprofessor aus Bayern wendet sich entschieden gegen den „Kuschelkurs und den Moralismus“ führender Kirchenvertreter und beklagt Psychojargon und Eventisierung. Er fordert theologisch fundierte Positionen und kritisiert den erhobenen Zeigefinger.

Hans-Jürgen Luibl sieht die Aufgabe der Kirchen in der digitalen Welt, über den Umgang mit diesen Medien aufzuklären und so die Souveränität des einzelnen über seine Daten zu fördern. Zugleich plädiert der Erlanger Professor dafür, ohne Scheu die Möglichkeiten der digitalen Welt zu nutzen, in der sich auch der göttliche Geist niederschlagen könne.

Impulse für die Zukunft der Kirche gibt es im aktuellen Heft also genug. Lassen Sie sich anregen. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen im Namen der ganzen Redaktion

Rainer Lang

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